Die kurze Antwort

Vor dem Start eines Website-Projekts müssen fünf Dinge geklärt sein: Ziel und Zielgruppe, wer Texte und Bilder liefert, wer entscheidet, Budget und Zeitrahmen. Bei einem Relaunch kommt die Liste aller alten URLs dazu. Fehlt einer dieser Punkte, verzögert sich das Projekt aus unserer Erfahrung fast immer. Die Technik ist selten das Problem.

Diese Checkliste gliedert sich in vier Phasen: vor dem Kickoff, während der Umsetzung, kurz vor dem Go-Live und die ersten zwei Wochen danach. Sie gilt für einen Neuaufbau genauso wie für einen Relaunch. Punkte, die nur beim Relaunch zählen, sind markiert.

Was muss vor dem Kickoff geklärt sein?

Diese Punkte gehören vor das erste Design-Meeting. Alles, was danach geklärt wird, kostet Nacharbeit.

  • Ziel und Zielgruppe in einem Satz. Nicht „moderner wirken“, sondern konkret: Wen soll die Seite überzeugen, und wozu? Ohne diesen Satz wird jede Design-Diskussion beliebig.
  • Ein messbares Ziel. Zum Beispiel: mehr Anfragen über das Formular, mehr Anrufe, mehr Buchungen. Leg fest, woran du in drei Monaten Erfolg erkennst.
  • Nur beim Relaunch: Liste aller bestehenden URLs. Am besten als Export der Sitemap oder aus einem Crawl-Tool. Sie ist die Grundlage für die Weiterleitungen, damit Rankings beim Umzug erhalten bleiben.
  • Content-Verantwortung. Wer schreibt die Texte, wer liefert Bilder, bis wann? Ohne klare Zuständigkeit bleibt hier jedes Projekt stehen.
  • CMS-Anforderungen. Wer soll nach dem Launch was selbst ändern? Wie viel Schulung ist dafür eingeplant?
  • Eine Person, die entscheidet. Auf Kundenseite braucht es jemanden mit Entscheidungsbefugnis. Sonst hängen Feedback-Runden in internen Schleifen.
  • Budget und Zeitrahmen. Ein ehrlicher Rahmen von Anfang an verhindert späteren Streit über Umfang und Termine. Orientierung gibt unser Artikel zur Preisrange für Websites.
  • Zugänge. Domain, Hosting, DNS, Google Search Console, Analytics und Google-Unternehmensprofil. Kläre früh, wer welche Zugangsdaten hat.

Was gehört in ein gutes Briefing?

Ein Briefing muss nicht lang sein. Eine Seite reicht, wenn sie diese Fragen beantwortet:

  1. Was bietest du an, und was unterscheidet dich vom Wettbewerb?
  2. Wer sind deine besten Kunden, und welche Fragen stellen sie vor dem Kauf?
  3. Was soll ein Besucher auf der Website tun: anrufen, anfragen, buchen oder kaufen?
  4. Welche drei Websites gefallen dir, und warum genau?
  5. Was stört dich an deiner aktuellen Seite am meisten?
  6. Welche Inhalte, Fotos und Logos gibt es schon?
  7. Bis wann soll die Seite live sein, und gibt es einen festen Anlass?

Mit diesen Antworten startet das Projekt deutlich schneller. Der Rest klärt sich im Kickoff.

Welche rechtlichen Punkte gehören auf die Liste?

Rechtliches wird oft erst kurz vor dem Launch bedacht. Dann fehlt Zeit für saubere Lösungen. Diese Punkte gehören deshalb schon ins Konzept. Wichtig: Das ist eine Checkliste, keine Rechtsberatung.

  • Impressum. Geschäftsmäßige digitale Dienste brauchen nach § 5 DDG ein leicht erreichbares Impressum [1].
  • Datenschutzerklärung. Sie muss zu den tatsächlich eingesetzten Diensten passen, etwa Formular, Analyse oder Karten.
  • Einwilligung für Cookies und Tracking. Für nicht unbedingt nötige Cookies und ähnliche Techniken brauchst du nach § 25 TDDDG grundsätzlich eine Einwilligung [2]. Plane den Cookie-Banner deshalb mit ein.
  • Barrierefreiheit. Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für bestimmte Online-Angebote an Verbraucher, etwa Online-Shops [3]. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen. Gut lesbare Kontraste und eine saubere Struktur lohnen sich aber für jede Website.
  • Bild- und Schriftrechte. Für jedes Foto und jede Schrift muss klar sein, ob du sie nutzen darfst.

Worauf kommt es während der Umsetzung an?

  • Inhalte früh beginnen. Texte und Bilder entstehen parallel zum Design, nicht danach. Sonst wird das Projektende zum Flaschenhals.
  • Nur beim Relaunch: Weiterleitungen planen. Jede alte URL bekommt ein dokumentiertes Ziel auf der neuen Seite. Google rät, alte URLs auf passende neue Seiten zu leiten. Viele alte URLs pauschal auf die Startseite zu schicken, kann als Soft-404 gewertet werden [4].
  • Testumgebung nutzen. Die neue Seite entsteht auf einer nicht öffentlichen Testumgebung. Sie wird dort geprüft und nie direkt live umgebaut.
  • Testumgebung vor Google schützen. Ein Passwortschutz verhindert, dass Google halbfertige Seiten findet.
  • Feedback in festen Runden. Gesammelte Rückmeldungen statt laufender Einzelkommentare halten den Zeitplan.
  • Früh auf echten Geräten testen. Nicht erst am Ende, sondern nach jedem größeren Design-Schritt. Vor allem auf dem Handy.

Was prüfst du kurz vor dem Go-Live?

  • Nur beim Relaunch: Alle Weiterleitungen sind getestet. Google empfiehlt dauerhafte Weiterleitungen (301 oder 308) [4].
  • Kein „noindex“ und kein Passwortschutz aus der Testumgebung ist auf der Live-Seite geblieben.
  • Search Console ist verifiziert, die neue Sitemap ist eingereicht.
  • Analytics misst, und der Cookie-Banner steuert die Messung korrekt.
  • Titel, Beschreibungen und strukturierte Daten sind auf allen Seiten geprüft.
  • Ladezeit und Core Web Vitals sind auf einem echten Handy getestet, nicht nur im Browser-Simulator [5].
  • Eine 404-Seite existiert und führt zurück zur Startseite.
  • Alle Formulare sind einmal komplett durchgespielt, inklusive Bestätigungsmail.
  • SSL-Zertifikat und Domain-Einstellungen sind geprüft, die Seite läuft nur unter einer Adresse.
  • Ein Backup der alten Seite ist gesichert, bevor sie ersetzt wird.

Was passiert in den ersten zwei Wochen nach dem Launch?

Der Launch ist nicht das Ende des Projekts. Er ist der Beginn der Beobachtungsphase.

  • Rankings beobachten. Nach einem Relaunch sind Schwankungen normal. Google selbst rechnet bei einem Umzug mit vorübergehenden Schwankungen [4]. Bei mittelgroßen Websites kann es einige Wochen dauern, bis die neuen URLs erscheinen. Ein anhaltender Abfall bei wichtigen Suchbegriffen ist dagegen ein Alarmsignal.
  • Fehlerseiten in der Search Console prüfen. Übersehene Weiterleitungen zeigen sich hier zuverlässig.
  • Erste Nutzerdaten auswerten. Wo brechen Besucher ab? Funktioniert der Weg zur Anfrage wie geplant?
  • Echte Anfragen auswerten. Kamen sie über die neuen Buttons oder trotzdem über Umwege?
  • Weiterleitungen behalten. Google empfiehlt, sie so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr [4].

Welche Fehler passieren beim Launch am häufigsten?

Die meisten Pannen beim Go-Live sind keine Technik-Rätsel. Es sind vergessene Kleinigkeiten. Diese sehen wir aus unserer Projekterfahrung am häufigsten:

  • Die Seite bleibt unsichtbar. Ein „noindex“ aus der Testumgebung wandert mit auf die Live-Seite. Google darf dann nichts aufnehmen, und niemand merkt es wochenlang.
  • Das Formular schickt ins Leere. Die Empfängeradresse stammt noch aus der Testphase, oder Mails landen im Spam. Ein Testversand am Launch-Tag verhindert das.
  • Weiterleitungen fehlen für Unterseiten. Die Startseite ist umgeleitet, alte Blogartikel und PDFs aber nicht. Genau diese Seiten haben oft Links von außen.
  • Die Messung fehlt. Analytics oder Search Console sind nicht verbunden. Dann fehlen später die Zahlen zum Vergleich mit der alten Seite. Was du nach dem Launch für Google, Maps und KI-Suchen messen solltest, steht in unserem Überblick SEO & GEO.
  • Zwei Adressen für dieselbe Seite. Die Seite ist mit und ohne „www“ erreichbar, ohne Weiterleitung. Leg eine Adresse fest und leite die andere um.
  • Launch am Freitagnachmittag. Wenn danach etwas klemmt, ist niemand erreichbar. Plane den Go-Live für einen Wochentag am Vormittag.

Wer macht was?

Die meisten Verzögerungen entstehen an den Übergaben. Diese Aufteilung hat sich in unseren Projekten bewährt. Pass sie an dein Team an:

AufgabeKundeAgentur
Ziel, Zielgruppe, BudgetEntscheidetFragt nach, schärft
Inhalte und FaktenLiefert Wissen, Fotos, FreigabenSchreibt und strukturiert
DesignGibt gesammeltes FeedbackGestaltet und setzt um
Zugänge (Domain, Hosting, Konten)Stellt bereit, bleibt EigentümerRichtet ein
RechtstexteVerantwortet, ggf. mit AnwaltBaut technisch ein
Weiterleitungen und LaunchGibt freiPlant, testet, schaltet live

Wie lange dauert ein Website-Projekt?

Bei uns ist eine KMU-Website mit 5–12 Seiten ohne Shop in 4 Wochen live. Gerechnet wird ab Abschluss des Briefings. Ein Shop oder mehrere Sprachen dauern länger.

Das klappt nur, wenn die Punkte aus Phase 1 geklärt sind. Wer sie in der richtigen Phase abarbeitet, spart aus unserer Erfahrung oft mehrere Wochen. Und das Projekt bleibt für alle Beteiligten entspannt. Woran du merkst, dass deine aktuelle Seite ein Update braucht, steht in den 7 Anzeichen.