Die häufigste Ursache für Verzögerungen und Budget-Überschreitungen bei einem Website-Projekt ist nicht die technische Umsetzung, sondern ungeklärte Grundlagen vor Projektstart – egal ob eine Seite komplett neu entsteht oder ein Relaunch ansteht. Diese Checkliste gliedert sich in vier Phasen – vor dem Kickoff, während der Umsetzung, kurz vor Go-Live, und die ersten zwei Wochen danach.
Phase 1: Vor dem Kickoff
Diese Punkte gehören vor das erste Design-Meeting, nicht danach – alles andere führt zu Nacharbeit und Reibung später im Projekt.
- Ziel und Zielgruppe in einem Satz. Nicht "moderner wirken", sondern konkret: wen soll die neue Seite überzeugen, und wozu genau. Ohne diesen Satz driftet jede Design-Diskussion ins Beliebige.
- Bei einem Relaunch: Liste aller bestehenden URLs für saubere 301-Weiterleitungen – am besten als exportierte Sitemap oder Crawl-Ergebnis, damit nichts vergessen wird und Google-Rankings beim Umzug nicht verloren gehen. Bei einem Neuaufbau entfällt dieser Punkt.
- Content-Verantwortung klären. Wer schreibt die Texte, wer liefert Bilder, bis wann – ohne klare Zuständigkeit steht jedes Projekt an dieser Stelle still.
- Realistisches CMS-Anforderungsprofil. Wer soll nach dem Launch was selbst ändern können, und wie viel Schulungsaufwand ist dafür realistisch eingeplant.
- Ansprechpartner mit Entscheidungsbefugnis auf Kundenseite, damit Feedback-Runden nicht an internen Abstimmungsschleifen hängen bleiben.
- Budget und Zeitrahmen ehrlich kommunizieren. Ein realistischer Rahmen von Anfang an verhindert spätere Konflikte über Scope und Timeline.
Phase 2: Während der Umsetzung
- Content-Migration früh beginnen. Texte und Bilder für die neue Struktur sollten parallel zum Design entstehen, nicht erst danach – sonst wird das Ende des Projekts zum Flaschenhals.
- Bei einem Relaunch: Redirect-Mapping pflegen. Jede alte URL bekommt ein dokumentiertes Ziel auf der neuen Seite – eine einfache Tabelle reicht, aber sie muss vollständig sein und laufend aktualisiert werden.
- Staging-Umgebung nutzen. Die neue Seite wird auf einer nicht-öffentlichen Testumgebung gebaut und geprüft, nie direkt live am bestehenden Domain-Pfad.
- Zwischen-Feedback in festen Runden statt laufender Einzelkommentare – das hält Iterationen fokussiert und die Timeline planbar.
- Cross-Browser- und Geräte-Tests einplanen, nicht erst am Ende, sondern schon während größerer Design-Meilensteine.
Phase 3: Kurz vor Go-Live
- Bei einem Relaunch: alle 301-Weiterleitungen final testen – jede alte URL manuell durchklicken oder per Tool prüfen
- Analytics und Search Console auf die neue Seite umstellen bzw. neu verifizieren
- Meta-Tags, Title-Tags und strukturierte Daten auf allen Seiten kontrollieren
- Performance-Test (Ladezeit, Core Web Vitals) auf einem echten Mobilgerät, nicht nur im Browser-Simulator
- 404-Seite vorhanden und funktionsfähig, inklusive Rückweg zur Startseite
- Formulare und Kontaktflüsse einmal end-to-end selbst durchspielen, inklusive Empfangsmail
- SSL-Zertifikat und Domain-Einstellungen final geprüft
- Backup der alten Seite gesichert, bevor sie ersetzt wird
Phase 4: Die ersten zwei Wochen nach Go-Live
Der Launch ist nicht das Ende des Projekts, sondern der Beginn der Beobachtungsphase:
- Rankings täglich beobachten – kurzfristige Schwankungen sind normal, ein anhaltender Abfall bei wichtigen Keywords ist ein Alarmsignal, das schnelles Handeln braucht.
- Fehlerseiten (404) in der Search Console prüfen – übersehene Redirects zeigen sich hier zuverlässig.
- Erste echte Nutzerdaten in Analytics auswerten – wo brechen Besucher ab, funktioniert der Conversion-Pfad wie geplant?
- Feedback von echten Kontaktanfragen einsammeln – kamen sie über die neuen CTAs, oder trotzdem auf Umwegen?
Wer diese Punkte in der jeweils richtigen Phase abarbeitet statt sie erst beim Launch zu entdecken, verkürzt die Projektlaufzeit in unserer Erfahrung spürbar – oft um mehrere Wochen, und vermeidet die typischen Reibungspunkte, die ein Website-Projekt unnötig stressig machen.