Die kurze Antwort
Beauftrage eine Agentur, die mit deinen Zielen startet statt mit Farben, ihr Angebot einzeln aufschlüsselt und dir schriftlich zusichert, dass Domain, Zugänge und Nutzungsrechte bei dir liegen. Schick vorher ein einseitiges Briefing, damit du vergleichbare Angebote bekommst.
In den Vertrag gehören mindestens: Nutzungsrechte, Domain und Hosting, Auftragsverarbeitung, Barrierefreiheit, Abnahme, Wartung und was beim Ende der Zusammenarbeit passiert. Beide Vorlagen findest du unten zum Abarbeiten.
Die Wahl der Agentur entscheidet oft mehr über den Projekterfolg als das Budget. Dieser Artikel führt dich durch die Auswahl, vom ersten Warnsignal bis zu den Vertragspunkten, die erst nach dem Launch wichtig werden. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Vertragsfragen lohnt sich ein kurzer Blick einer Anwältin oder eines Anwalts.
Woran erkennst du eine unpassende Agentur?
- Nur Screenshots, keine Ergebnisse. Ein Portfolio voller schöner Bilder ohne eine einzige Zahl ist ein Warnsignal. Gute Referenzen zeigen, was vorher war, was geändert wurde und was danach passiert ist.
- Das Gespräch startet bei Farben und Schriften statt bei Zielen, Zielgruppe und dem Weg zur Anfrage. Design ohne Strategie ist Dekoration.
- Auffällig günstige Pauschalpreise ohne Aufschlüsselung. Meist steckt ein Template dahinter oder Nachforderungen im Projekt.
- Keine klare Aussage zu Zugriffsrechten. Wenn offen bleibt, wem Domain, Hosting und CMS gehören, bist du später abhängig.
- Kein fester Ansprechpartner, nur ein Ticket-System. Bei einem Projekt dieser Größe brauchst du eine Person, die Entscheidungen treffen kann.
Eine Referenz mit Zahlen sieht zum Beispiel so aus: Beim Batteriecenter Ludwigsburg nennen wir Ausgangslage, Maßnahmen und Zeitraum. Von April bis August 2026 stiegen dort die Besucher um 521 %. Wo es keine Zahlen gibt, wie beim Relaunch des Hotel Zuckerfabrik, sollte die Agentur wenigstens Vorher und Nachher konkret zeigen.
Welche Fragen stellst du im Erstgespräch?
Zum Prozess
- Wie läuft das Projekt von Kickoff bis Launch ab, und wer ist in welcher Phase verantwortlich?
- Wie viele Feedback-Runden sind im Design eingeplant?
- Was passiert, wenn sich der Umfang während des Projekts ändert?
Zum Ergebnis
- Könnt ihr mir zwei bis drei Referenzen mit messbaren Ergebnissen zeigen, nicht nur Bilder?
- Wie geht ihr mit SEO/GEO-Grundlagen während der Umsetzung um?
- Welche Ladezeit- und Core-Web-Vitals-Ziele sind Teil des Projekts?
Zur Zeit nach dem Launch
- Kann ich Inhalte selbst ändern, oder brauche ich euch dafür?
- Wer kümmert sich um Sicherheitsupdates und Backups?
- Bekomme ich volle Zugänge zu Hosting, Domain und CMS?
Achte weniger auf die perfekte Antwort als auf die Art der Antwort. Eine Agentur, die bei der dritten Frage ausweicht, wird es im Projekt auch tun.
Was gehört in ein gutes Briefing?
Ein Briefing ist der schnellste Weg zu vergleichbaren Angeboten. Ohne Briefing rechnet jede Agentur mit anderen Annahmen. Dann vergleichst du Äpfel mit Birnen. Eine Seite reicht. Diese Vorlage kannst du direkt ausfüllen:
- Ausgangslage: Was gibt es heute? Link zur aktuellen Seite, CMS, was stört dich konkret?
- Ziel: Ein messbares Hauptziel, z. B. „mehr Anfragen für Leistung X“ oder „Online-Buchungen statt Telefon“.
- Zielgruppe: Wer soll anfragen? Branche, Rolle, Region, typische Fragen vor dem Kauf.
- Umfang: Ungefähre Seitenzahl, Sprachen, Shop ja oder nein, Funktionen wie Buchung oder Formulare.
- Inhalte: Wer liefert Texte, Fotos und Logos? Gibt es eine Markenrichtlinie?
- Technik: Gewünschtes CMS, Schnittstellen (CRM, Newsletter, Buchungssystem), wer heute hostet.
- Rahmen: Budgetspanne, Wunschtermin für den Launch, wer bei euch entscheidet.
- Beispiele: Zwei Seiten, die dir gefallen, und eine, die dir nicht gefällt, jeweils mit Grund.
Nenn ruhig eine Budgetspanne. Sie hilft der Agentur, einen passenden Umfang vorzuschlagen, statt zu raten. Realistische Spannen für die Region Stuttgart stehen im Artikel zur Preisrange 2026.
Wie ist ein seriöses Angebot aufgebaut?
Ein belastbares Angebot schlüsselt Konzept, Design, Entwicklung, Texte, CMS-Einrichtung und SEO-Setup einzeln auf. Es nennt einen Zeitplan mit Meilensteinen, nicht nur ein Enddatum. Und es sagt, was nach dem Launch passiert: Wartungsvertrag, Stundensatz für Änderungen oder vollständige Übergabe an dein Team.
Prüf außerdem, was nicht drinsteht. Fehlen Hosting, laufende Lizenzen oder Weiterleitungen alter URLs, tauchen sie später als Nachtrag auf. Zum Vergleich: Für ein KMU-Projekt mit 5–12 Seiten ohne Shop planen wir 4 Wochen ab Briefing-Abschluss. Shop oder mehrere Sprachen dauern länger.
Was muss in den Vertrag?
Nach dem Launch verschiebt sich die Verhandlungsmacht spürbar zur Agentur. Was nicht schriftlich steht, ist dann schwer durchzusetzen. Diese Checkliste deckt die Punkte ab, die wir in der Praxis am häufigsten ungeregelt sehen:
- Nutzungsrechte: Welche Rechte du an Design, Texten, Code und Bildern bekommst: einfach oder ausschließlich, zeitlich und räumlich unbeschränkt, inklusive Bearbeitung. Ohne ausdrückliche Regelung richtet sich der Umfang nach dem Vertragszweck (§ 31 Abs. 5 UrhG) [1]. Das führt im Streit oft zu weniger Rechten, als du denkst.
- Fremdmaterial: Wer Lizenzen für Stockfotos, Schriften und Plugins hält, und ob sie auf dich übertragbar sind.
- Domain: Die Domain läuft auf dein Unternehmen als Inhaber, nicht auf die Agentur.
- Hosting & Zugänge: Wer hostet, was es kostet, und dass du alle Admin-Zugänge bekommst: Hosting, CMS, Analytics, Search Console.
- Auftragsverarbeitung: Verarbeitet die Agentur personenbezogene Daten für dich, etwa über Hosting oder Formulare, braucht es einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO [2].
- Barrierefreiheit: Ob die Seite unter das BFSG fällt und welcher Standard umgesetzt wird (siehe nächster Abschnitt).
- Abnahme: Wie die Abnahme abläuft und welche Frist gilt. Achtung: Setzt die Agentur eine angemessene Frist und du verweigerst die Abnahme nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt das Werk als abgenommen (§ 640 Abs. 2 BGB) [3].
- Wartung & Reaktionszeit: Updates, Backups und eine konkrete Reaktionszeit bei Ausfällen, nicht nur „schnellstmöglich“.
- Änderungen: Stundensatz oder monatliches Kontingent für Änderungswünsche nach dem Launch.
- Exit: Was beim Ende der Zusammenarbeit passiert: Übergabe von Code, Datenbank, Zugangsdaten und Dokumentation, mit Frist.
Diese Punkte gehören in den Vertrag, nicht in ein mündliches Versprechen. Eine gute Agentur hat damit kein Problem. Viele haben ohnehin eine Vorlage dafür.
Muss deine Website barrierefrei sein?
Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es erfasst unter anderem „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“ für Verbraucher [4]. Gemeint sind Angebote auf Websites und in Apps, die auf den Abschluss eines Verbrauchervertrags zielen [5]. Typische Beispiele sind Online-Shops und Buchungsstrecken.
Es gibt eine wichtige Ausnahme. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind von der Pflicht ausgenommen [6]. Kleinstunternehmen heißt: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme [5]. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 € geahndet werden [7].
Was heißt das für dein Projekt? Eine reine B2B-Visitenkarte ohne Verbrauchervertrag fällt meist nicht darunter. Ein Shop für Privatkunden oder eine Online-Buchung für Gäste kann darunter fallen. Kläre die Frage vor dem Angebot, denn Barrierefreiheit nachzurüsten ist teurer als sie einzuplanen. Und unabhängig vom Gesetz: Gute Kontraste, echte Überschriften und bedienbare Formulare helfen allen Besuchern.
Woran merkst du im Projekt, dass etwas schiefläuft?
Auch nach der Unterschrift lohnt sich Aufmerksamkeit. Drei Muster sehen wir immer wieder:
- Scope Creep ohne Preisanpassung. Immer mehr Extras werden „kostenlos“ versprochen. Das geht selten gut und rächt sich meist bei der Qualität.
- Wochenlang keine Zwischenstände. Ein gesundes Projekt zeigt regelmäßig, woran gerade gearbeitet wird.
- Plötzlich nur noch Junior-Ansprechpartner ohne Entscheidungsbefugnis. Frag dann direkt, wer verantwortlich ist.
Keines davon ist automatisch ein Abbruchgrund. Jedes davon verdient aber eine direkte Nachfrage, solange noch Zeit ist.
Die wichtigste Frage vor der Unterschrift
Eine Agentur, die auf diese Fragen klar antwortet, ist nach unserer Erfahrung der zuverlässigere Partner. Das gilt auch, wenn eine Antwort lautet: „Das kannst du selbst machen.“ Die wichtigste Frage ist selten „Wie viel kostet es?“. Sie lautet: „Was passiert, wenn etwas nicht wie geplant läuft?“